Zündkabel – Wahrheit und Mythen
Über Zündkabel kursieren viele Mythen – etwa, dass Silikon-Zündkabel die besten seien oder die Klassen A bis F Qualitätsstufen bezeichneten. Tatsächlich geben die Klassen nach ISO 3808 die Temperaturbeständigkeit an; für LPG und CNG ist vor allem ein geringer Spannungsabfall entscheidend.
Sind Silikon-Zündkabel die besten?
Nein!
Im Vergleich zu modernen, in den letzten Jahren entwickelten Thermoplasten hat eine Silikonisolierung viele Schwächen. Silikon gehört zu den am schwersten recycelbaren Werkstoffen und ist mechanisch weniger belastbar.
Genau deshalb werden Silikonkabel mit einem Geflecht aus Glasfaser oder Nylon verstärkt und meist in speziellen Kabelführungen verlegt, die sie vor Beschädigung schützen. Diese Führungen haben noch eine weitere Aufgabe: Sie schützen den Kabelbaum vor Nagetieren – denn zumindest manche Tiere halten Silikon aus unerfindlichen Gründen für eine Delikatesse.
Sind die Kabelklassen A, B, C, D, E und F Qualitätsklassen?
Nein!
- Nach der Norm ISO 3808 handelt es sich um Klassen der Temperaturbeständigkeit.
- A entspricht der niedrigsten Temperaturbeständigkeit,
- F der höchsten. Qualität und Temperaturbeständigkeit sind zwei verschiedene Dinge.
- Zündkabel können sehr hochwertig sein und dennoch den Anforderungen der Klasse C oder D statt E oder F entsprechen.
Sind Silikon-Zündkabel der Klassen E und F die hochwertigsten Kabel?
Nein!
Es handelt sich um Kabel, deren Isolierung gegen hohe Temperaturen beständig ist (−40 °C bis +250 °C). Die Klasse der Temperaturbeständigkeit darf nicht mit der Qualität des Kabels gleichgesetzt werden – sie ist einer der weniger bedeutenden Faktoren für die Kabelqualität. Manche Anbieter kennzeichnen ihre Kabel mit Klasse G. Das ist reines Marketing, denn eine solche Klasse gibt es in den Normen nicht.
Hat der Außendurchmesser keinen Einfluss auf Isolierung und Leitfähigkeit?
Doch! Diese Annahme ist falsch.
Trotz aller technischen Fortschritte gelten die Gesetze der Physik unverändert: Eine dickere Schicht desselben Werkstoffs ist immer durchschlagfester als eine dünnere. Man muss sich jedoch bewusst sein, dass die Isoliereigenschaften verschiedener Werkstoffe unterschiedlich sind – Kabel mit kleinerem Durchmesser sollte man daher nicht von vornherein ablehnen.
Fachgerecht hergestellt, können sie die Anforderungen der Fahrzeughersteller ebenfalls erfüllen. Wäre es anders, würden alle weiterhin 7-mm-Kabel verwenden und niemand würde zu 5-mm-Kabeln greifen. Allerdings werden die dünnen Kabel meist in zusätzlichen Kunststoffführungen verlegt, die sie vor äußeren Einflüssen und dem Kontakt mit Metallteilen des Motors schützen.
Braucht ein Motor mit Autogas (LPG) Zündkabel mit höherer Temperaturbeständigkeit?
Nein!
Schaden wird es sicher nicht, helfen aber auch nicht. Die Gasverbrennung geht zwar tatsächlich mit einer höheren Temperatur einher, außerhalb des Zylinders sind die Auswirkungen aber kaum spürbar. Der Zylinderkopf im Bereich der Zündkerzen und die Zündkerzen selbst erwärmen sich nur um etwa 5 °C stärker als im Benzinbetrieb – für gute Zündkabel spielt das keine Rolle.
Sehr wichtig ist dagegen, dass die Zündkabel keinen zu großen Spannungsabfall verursachen. Denn damit ein Funke überspringt, muss die Spannung an den Elektroden der Zündkerzen bei Gas deutlich höher sein als bei Benzin. Deshalb raten viele Fahrzeughersteller bei Fahrzeugen mit LPG- oder CNG-Anlage von Zündkabeln mit Widerstandskern (Kohlefaserkern) und einem Widerstand von über 7 kΩ/m ab.